One-Voice-Technique (OVT) ist eine funktionale Stimmbildungsmethode für den nichtklassischen Gesang, die ab dem Jahr 2000 von Annett Thoms entwickelt wurde.

Die medizinische Studie SiACo (SingAgainstCortisone) von 2020 hat belegt, dass durch ein Gesangstraining mit der Methode der OVT im Gruppenunterricht nach nur 8 Trainingseinheiten der Schalldruckpegel (SPL – SoundPressureLevel), also die Lautstärke der Stimme fast verdoppelt werden konnte. Weiter wurden eine wesentlich verringerte Schleimbildung auf den Stimmlippen und eine Verbesserung des Jitter-Wertes (Unregelmäßigkeiten der Frequenzen beim Tonklang) bei den medizinischen Untersuchungen festgestellt. Der Wert für den Stimmlippenschluss konnte sogar verdoppelt (!) werden. 

Grundlagen für diese Art der Stimmbildung sind die natürlichen physiologischen Gesetzmäßigkeiten der Sprechstimme. Die Modifizierung des Luftstroms durch Phonation und Artikulation und der Tonus des Vokalmuskels erfolgt auf allen Tönen nahezu identisch mit der Modifizierung des Luftstroms für den Ton der Sprechstimme.  Zur Erzeugung des Luftstroms wird die Gesangsatmung angewendet: Der Ausatemvorgang wird bis auf wenige Ausnahmen verzögert.
Wie beim Speech Level Singing wird die innere Kehlkopfmuskulatur trainiert und die Rachenmuskulatur (hauptsächlich die mit Hilfs- oder Schutzfunktionen beim Schluckvorgang)  wie beim natürlichen Sprechton auf Entspannung konditioniert.  

Dadurch können Sängerinnen und Sänger vom tiefsten bis zum höchsten Ton ohne Veränderung der Tonqualität singen. Es fehlt somit der typische „Bruch“ (Qualitätsveränderung zwischen zwei aufeinander folgenden Tönen).

Deshalb wird, und das ist ein entscheidender Vorteil der One-Voice-Technique , die Gesangsstimme auch nicht, wie sonst allgemein üblich, in mehrere Gesangsregister oder „Stimmen“ eingeteilt (z.B. Bruststimme, Kopfstimme, Mittelstimme, Mischstimme), sondern sie ist, vom tiefsten bis zum höchsten Ton, EINE Stimme.
Einer der positiven Nebeneffekte der OVT Methode ist eine verbesserte Intonation. Mit OVT ist der Filtervorgang bei den Gesangstönen nahezu identisch mit dem der Sprechstimme. Das erleichtert Singenden den Zugriff auf das Tongedächtnis. 


Ein weiterer Vorteil von OVT zeigt sich bei der emotionalen Umsetzung von Liedtexten. Da der Gesangston mit dem Ton der Sprechstimme nahezu identisch ist, bekommt die Gesangsstimme ihre Dynamik und die verschiedenen Farben (Sounds und Effekte) auf natürlich Weise durch die unterschiedlichen Gefühlsregungen der Sängerinnen und Sänger während der Interpretationen. Die verschiedenen Farben (Sounds und Effekte)  müssen bei OVT deshalb nicht „extra“ erlernt bzw. trainiert werden.

Alle Gesangsübungen wurden und werden auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Phoniatrie entwickelt und ständig dahingehend überprüft.


Diese Stimmbildungsmethode wird an der JAM MUSIC LAB – University for Jazz and Popular Music Vienna und an der AMP - International Academy for Music and Performing Arts Vienna seit 2011 durch Annett Thoms und seit 2021 auch von Christiane Niederbacher gelehrt. Die One-Voice-Technique wird mittlerweile auch durch ehemalige Gesangspädagogik-Schülerinnen und Schüler von Annett Thoms vermittelt.